Die Regeln, die wir uns gegeben haben
In der inneren Stille zu sich selbst finden,
sich selbst erkennend sein, was man ist.
Will man ein Zendo verstehen, muss man die Zen-Praxis verstehen. Zen zu praktizieren heißt, sich selbst zu erforschen.
Es ist kein Weg zu einem Werden, sondern ein sich Lösen aus falschem Denken. Die Menschen leben in einer Konstruktion von Wirklichkeit und nicht in der Wirklichkeit selbst.
Darum praktizieren wir Zen.
Wenn ihr fähig seid zu sitzen, zu erfahren, was Shikantaza ist,
dann wird der Sinn eures Lebens völlig anders sein.
Ihr werdet frei sein von allem.
Shunryû Suzuki
Daher wird nur der wahrhaftig Zen praktizieren, der für sich entschieden hat, sich aus dieser Illusion zu befreien.
Zen zu praktizieren heißt für uns, den Teeweg des Alltags zu gehen. Betreten wir das Zendo »Zentrum Innere Stille«, dann betreten wir einen Ort der gemeinsamen Zen-Praxis. Dies bringen wir in unserer Haltung zum Ausdruck. Stets machen wir uns bewusst, worum es geht. Es geht gerade nicht um uns und unsere Wünsche, sondern darum, uns aus unserer Ichhaftigkeit zu lösen und zur Wirklichkeit zu erwachen.
Die Regeln in unserem Zendo sind einfach. Das Zendo ist ein Ort der Zen-Praxis und kein alltäglicher Ort. Wir begegnen einander in der Haltung des Namaste. Wir wollen hier in allem, was wir tun, gemeinsam Zen praktizieren und nichts sonst. Wir streben nach Erwachen und Lösung aus der Illusion der Ichhaftigkeit.
Die Begegnung
Betreten wir ein Zen-Zendo, ob in einem realen oder virtuellen Raum, dann betreten wir einen besonderen Raum. Die Begegnungen in einem Zendo unterscheiden sich von den für die meisten Menschen gewohnten Begegnungen in Alltag und Beruf.
Einen Raum entstehen lassen
Das Gemeinsame, das die Teilnehmer und Mitglieder eines Zendo verbindet, ist der Wunsch nach Glück und Zufriedenheit im Leben. Daher streben sie nach Selbsterkenntnis und haben den Wunsch, Zen zu praktizieren.
Dies ist der Raum, in dem sich das Zendo entfaltet. Sobald wir den Raum betreten, bringen wir den Geist des Zendo zum Ausdruck: Achtsamkeit, Sammlung, Meditation und Kontemplation. Es ist unser aller Haltung und Präsenz, durch die der Raum entsteht.
Das Verbindende erkennen
Je mehr wir uns aufeinander einlassen, desto mehr erkennen wir, dass uns Menschen unabhängig von unseren individuellen Interessen, Motivationen und Bedürfnissen etwas Grundsätzliches verbindet: Es ist der Wunsch, frei und ganz wir selbst zu sein.
Dazu müssen wir erkennen, was wirklich ist, was uns auffordert, auch unser eigenes Erleben differenziert zu betrachten. Die Wirklichkeit hinter den Ereignissen des Lebens erkennen wir, indem wir die Gesetzmäßigkeiten erforschen, untersuchen, was wirklich ist und vor allem, indem wir ergründen, was uns selbst ausmacht.
Selbsterkenntnis
Dies bedeutet vor allem anderen, unseren eigenen Geist zu untersuchen, ihn kennen und verstehen zu lernen, denn es ist unser Geist, was uns ausmacht.
Keine Lehre, kein Glaube und kein anderer Mensch können uns wirklich sagen, wer oder was wir sind. Sie können uns nur Hinweise geben, wie wir es in uns selbst entdecken und erkennen können.
Sich einlassen
Daraus ergibt sich eine wichtige Haltung im Zendo, das »Sich-Einlassen«. Begegnet uns ein uns fremder Gedanke oder einer, der unseren eigenen Ansichten und Überzeugungen zu widersprechen scheint, dann stellen wir nicht wie in einer Diskussion oder Debatte unsere Meinung dagegen, sondern suchen zu verstehen und zu ergründen, was hinter diesem Gedanken steht.
Nur so können wir uns aus der Konformität unseres Wissens auf die Ergründung der Wahrheit und der Wirklichkeit einlassen.
Sich auslegen lassen
Die grundlegende Wirklichkeit zu ergründen konfrontiert uns mit unserer eigenen, individuellen Wirklichkeit: mit unseren Konditionierungen, Fixierungen und Identifizierungen, vor allem aber auch mit unseren Ängsten und negativen Einstellungen.
Sind wir bereit, uns durch alles auslegen zu lassen, was uns begegnet, erfahren und erkennen wir uns darin selbst. Wir hören auf, unsere Ansichten zu verteidigen und Unbekanntes abzuwehren, wir öffnen uns dafür, den neuen und ungewohnten Gedanken eingehend zu betrachten, zu ergründen, nachzuvollziehen und zu verifizieren – zuerst in der Reflexion und dann auch in unserem Erleben.
Sich ergreifen lassen
Die Erkenntnis der Wirklichkeit und die Einsicht in das, was wahr ist, lässt uns nicht automatisch auch dem entsprechend handeln. Sind wir bereit, uns ergreifen zu lassen, dann entstehen die notwendige Begeisterung und Motivation für unser zukünftiges Handeln.
Lassen wir uns mitnehmen auf den Weg der Bewusstheit, sind wir bereit, aufzubrechen in eine uns vielleicht noch fremde Welt voller Freiheit, aber auch voller Verantwortung für unser eigenes Leben, dann werden wir mit jedem Schritt wesentlicher, wahrhaftiger und authentischer.
Den Weg gemeinsam gehen
Ein Zendo kann man nicht machen, man kann es auch nicht durch Regeln definieren und auch nicht über Rituale gestalten. Ein Zendo entsteht durch das, was gemeinsam getan wird.