Sich-Einlasseen

Die vielleicht Schwierigste aller Übungen.

Aus dem üblichen und gewohnten Bewusstsein heraus erfahren wir uns als Subjekt mit der Folge, dass wir uns zu allem anderen wie einem Objekt in Beziehung setzen, das heißt, wir ordnen das Objektive dem Subjektiven unter, versuchen es in das eigene Verständnis einzuordnen, also zu verstehen.

Wie aber würde ein Subjekt einem anderen Subjekt begegnen?

Sicherlich nicht aus der Haltung der Gleichwertigkeit, wohl aber mit der Haltung der Gleichwürdigkeit. Doch was bedeutet das? Etwa dass die Erfahrungen des anderen so richtig sind wie die eigenen? Nein, denn das wäre die Feststellung einer, wenn auch als ausgewogen wahrgenommenen Wertigkeit. Oder bedeutet es, den anderen zu tolerieren? Oder einverstanden zu sein? Alles Ausdruck von Wertigkeit. Toleranz muss von Andersartigkeit ausgehen, sonst gäbe es da nichts zu tolerieren, und auch das einverstanden sein braucht ja Unterschiedlichkeit voraus, mit was sonst könnte man einverstanden sein?

So sehr wir uns auch bemühen, wir werden in unserer gewohnten, auf unseren bisherigen Erfahrungen basierenden Begriffswelt nichts finden, was eine Begegnung von Subjekt mit einem andern Subjekt zu beschreiben vermag.

Es geht also darum, eine neue Erfahrung zu machen, die uns eine Begriffswelt vermittelt, in der die Begegnung von Subjekt mit einem anderen Subjekt und nicht einem Objekt ganz selbstverständlich ist.

Es ist die Erfahrung eines Phänomens, das in dem üblichen Verständnis von Wirklichkeit paradox erscheinen muss, kann es da doch nur eine Subjekt-Objekt- und keine Subjekt-Subjekt-Beziehung geben. Dieses Paradox ist nichts anderes, als das, was mit dem aus dem Advaita bekannten Satz »Nicht eins, nicht zwei« beschreiben und zum Ausdruck gebracht wird.

Einem anderen als Subjekt zu begegnen bedeutet nichts anderes, als seine Erfahrung wie eine eigene, subjektive, Erfahrung zu machen. Das ist die ganze Kunst des »Sich-Einlassens«.